1932 Alfa Romeo GP Tipo B/P3

Der schönste aller Siege

Seinen wohl denkwürdigsten Auftritt hatten der Alfa Romeo GP Tipo B (besser bekannt als P3) und Tazio Nuvolari – schon wieder er –wohl beim Grossen Preis von Deutschland 1935, der vor über 300’000 Zuschauern auf dem Nürburgring ausgetragen wurde. Das nationalsozialistische Regime hatte den Tisch gedeckt für ein grosses Fest der deutschen Automobil-Industrie, Mercedes trat mit gleich fünf W25 an, am Steuer Caracciola, von Brauchitsch, Fagioli, Geier und Lang; Auto Union meldete vier seiner V-16 mit Stuck, Rosemeyer, Pietsch und Varzi. Alfa Romeo durfte nach Ansicht der Organisatoren etwas Farbe ins Feld bringen, die P3 hatten ihre beste Zeit schon hinter sich und auch bei weitem nicht so viele PS wie die deutschen Maschinen; als Piloten meldete Rennleiter Enzo Ferrari Tazio Nuvolari, Louis Chiron und René Dreyfus. Nach zwei Runden führte Caracciola deutlich, Nuvolari war nur Sechster. Doch bis zur 10. Runde hatte er sich bis ganz nach vorne gearbeitet, das Publikum traute seinen Augen nicht. In der elften Runde, zur Halbzeit des Rennens, kamen die führenden vier Wagen fast gleichzeitig an die Boxen. Caracciola war schon nach 47 Sekunden wieder abgefertigt, nur Nuvolari stand. Und stand. Und stand. Erst nach zwei Minuten und 14 Sekunden preschte er wieder los; wieder einmal hatte er ein Problem beim Tanken gehabt. Unterdessen hatte sich Manfred von Brauchitsch an die Spitze geschoben, in der 13. Runde hatte er mehr als eine Minute Vorsprung auf Nuvolari. Und nur langsam kam er näher, drei Runden vor Schluss hatte der Mercedes immer noch 43 Sekunden Vorsprung. Die letzte Runde begann, von Brauchitsch, der dafür bekannt war, mit dem Material nicht besonders schonend umgehen zu können, lag 35 Sekunden vor dem Alfa Romeo, doch die Reifen des Mercedes waren schon fast am Ende. Doch er gab alles, Nuvolari gab noch mehr, kam unwiderstehlich näher, am Karusell hat er den Benz schon in Sichtweite – da platzte von Brauchitsch, auch genannt «der Pechvogel», hinten links der Reifen. Nuvolari fuhr grimmig lächelnd auf seinem eigentlich veralteten Alfa Romeo ins Ziel, das Publikum war völlig konsterniert – und bei der Siegerehrung konnte zuerst nicht einmal die italienische Hymne abgespielt werden, die Organisatoren waren sich so sicher gewesen, dass ein deutsches Produkt gewinnen würde, dass sie vergessen hatte, sich die entsprechende Schallplatte zu besorgen. Nuvolari konnte aushelfen, der «Marcia Reale» war immer mit dabei in seinem Gepäck.

 

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Photos ©Peter Ruch.